Kinder, Kinder!

24. April 2012

Während die Ausführende sich bemühte, den Hintergrund eines Bibeltextes zu vermitteln, kämpfte eine junge Mutter mit dem nörgelnden Säugling. Nein, er war einfach nicht zu beruhigen. Seine Lautäußerungen waren als Nebengeräusche derartig penetrant, dass ich mich nicht konzentrieren konnte. Ich gehe mal davon aus, dass es vielen auch so ging. Es tat mir leid für die Mutter, für die Rednerin und für uns, denn niemand hatte  einen Gewinn.

Die Balance von Großmut, der die Laute der Kleinen als gegeben hinnimmt zur Kinderfeindlichkeit ist äußerst schwierig zu halten. Hier hilft nur, dass man freundlich und mit der Gesinnung der Hilfsbereitschaft miteinander redet.

Eine Möglichkeit, die Situation zu handeln ist, durch eine technische Übertragung in einen Nebenraum eine erziehende Mutter oder einen erziehenden Vater doch in das Geschehen mit einzubeziehen. Die Toleranzgrenze ist oft unterschiedlich: Es gibt dickfällige Erziehende und es gibt schnell nörgelnde Kinderentwöhnte, die gar nicht ahnen, wie wichtig gestressten Eltern die Gemeinschaft sein kann. Beide Seiten können sich das Leben schwer machen oder aber auch Rücksicht üben. Wenn Kinder bei der Predigt Nachlauf um den Altar spielen, ist der Rahmen ganz klar überzogen. Wenn Erwachsene wie Schlangen zischen, weil ein Kind mal mit unangepasster Lautstärke dazwischen redet, eben auch. Hier können wir übrigens lernen, wenn wir beobachten, mit welchem Charme oft ausländische Mitchristen ihre Gottesdienste feiern.

Gemeindefreizeit

12. April 2012

Im Gottesdienst miteinander singen und zuhören ist eines. Die Freizeit miteinander zu gestalten, etwas anderes. Freizeiten mit Christen aus der eigenen Gemeinde haben ihre besonderen Chancen. Man lernt die anderen kennen: etwa beim Spielen. Wie agiert jemand, wenn er gewinnt oder verliert? Wie verhält sich jemand bei einer fröhlichen Runde? Was sind die Schwerpunktthemen bei den Mitchristen? Das Leben verläuf in einer solchen Gemeinschaft ganzheitlicher.

Letzten Endes handelt es sich bei christlichen Gemeinden um grundverschiedene Menschen, die eine gemeinsame Mitte haben: Jesus Christus. Das bewirkt eine gewisse Spannung, die durchaus bereichern kann: Da treffen Vegetarier mit Allesessern zusammen, Abstinenzler mit Weinkennern. Personen mit akademischen Titeln bilden Kleingruppen mit Leuten aus ganz anderen sozialen Schichten. Fans verschiedener Bundesligavereinen  oder politischer Parteien feiern miteinander das Abendmahl oder bereiten gemeinsam ein Geocaching vor. Ein großartiges Übungsfeld um die drei Kriterien einzuüben:

Was ist ein Muss? Eine unaufgebbare Voraussetzung für die Identität als Christ. Beispiel: „Ein Christ muss wiedergeboren sein.“

Was ist ein Soll?  Eine Erwartung, die  etwas mit dem Anspruch der Denomination zu tun hat. Beispiel: „Wir erwarten von Gemeindegliedern einen finanziellen Beitrag.“

Was ist ein Kann? Ein Lebensstil oder eine Frömmigkeit, die eher dem Individuum als dem Selbstverständnis der Gemeinde entspricht. Beispiel: An sich ist es üblich, dass Männer im Gottesdienst Krawatten tragen.

Waschstum zur Größe oder Zellteilung?

26. März 2012

Es gibt Gemeinden, die stellen sich die Fragen: Sollen wir neu bauen, um  den stets wachsenden Kreis von Menschen vom Raumangebot her gerecht zu werden? Oder sollten wir uns teilen?

Für eine große Gemeinde spricht, dass sie attraktiv ist und ein größeres Potential an Begabungen bietet.  Größe ist ja niemals Selbstzweck und schon gar kein Grund für Eitelkeiten.

Große Gemeinden können differenziertere Angebote für Kinder und Jugendliche umsetzen. Schon diese Frage entscheidet oft darüber, wohin potentielle Gemeindeglieder sich orientieren.

Eine groß gewordene Gemeinde hat ihre Chancen genutzt, um verschiedene Musikstile zu entwickeln, die sie im Gottesdienst einbringen.

Bei kleinen Gemeinden kann die familiäre Atmosphäre ihren Charme haben. Die Menschen kennen sich und kümmern sich umeinander. Kleine Gemeinden haben ein dichteres Netz an Mitarbeitern; denn sie können es sich nicht leisten, nur Gäste zu bedienen. Das Wissen, an einem bestimmten Platz seine Aufgabe gefunden zu haben und gebraucht zu werden, kann ungemein inspirierend wirken. Wer mehr ist, als bloßer Gottesdienstbesucher, wächst geistlich, das steht fest.

Was ist, wenn bei Ihnen weder das eine noch das andere zutrifft? An diesem Punkt sind Gebetsinitiativen angesagt; denn Gemeindewachstum ist letzten Endes ein Geschenk. Die Voraussetzungen dafür können wir jedoch durch das Gebet  schaffen. Auch das steht fest.

Welche Zukunft hat unsere Gemeinde?

8. März 2012

Der Trend ist unübersehbar: Viele Gemeinden überaltern. An Orten mit begrenzten Arbeitsplatzmöglichkeiten wandern Menschen oft ab. Wir sind mehr denn je zu Arbeitsplatznomaden geworden.  Häufig verlassen junge Leute nach der Schulausbildung oder dem Abitur ihren Heimatort. Dieser Aderlass ist schmerzhaft. Bedeutet er doch, dass wertvolle Mitarbeiter wegfallen. Die Mühe, die in sie investiert wurde, kommt (hoffentlich) in einer anderen Gemeinde zur Geltung. Damit war all das nicht umsonst. Aber es kratzt schon, wenn davon in der eigenen Gemeinde nichts  erkennbar bleibt.

An diesem Punkt ist es hilfreich, Frucht von Erfolg zu trennen. Es kann sein, dass eine Gemeinde von der Anzahl ihrer Mitglieder zurückgeht, die aber dennoch Frucht bringt. Sie hat die Chance, nach guten Konzepten Ausschau zu halten und die Angelegenheit im Gebet vor den Auferstandenen zu bringen. Jesus ist Herr der Gemeinden. Er wird auch für sie sorgen. Ganz sicher. Das nimmt uns nicht aus der  Verantwortung. Aber den Druck, Wachstum durch Methoden oder Techniken herbeiführen zu wollen, müssen wir uns nicht antun.

Zum Glück gibt es Kranke!

22. Februar 2012

Achten Sie einmal darauf, wie die Frage nach Gebetsanliegen in Ihrer Gemeinde beantwortet wird. „Erna liegt mit einer Darm-OP im Krankenhaus!“ – „Tim muss noch mal zu einer Nachuntersuchung.“ – „Sabine klagt über Schmerzen in Knie …“

Es sind ernsthafte Anliegen. Und es sind legitime Anliegen. Aber wenn sich das Gebetsleben unserer Gruppe oder Gemeinde ausschließlich um die gesundheitlichen Belange dreht, hat sich die Perspektive verschoben.

Ist es tatsächlich der Auftrag einer Ortsgemeinde, den medizinischen Status quo beizubehalten oder wieder herzustellen? Ich habe mir schon ernsthaft überlegt, wofür gebetet würde, wenn es keine Kranken mehr gäbe.

Menschen ohne Beziehung zu Jesus Christus gehen für die Ewigkeit verloren. Was juckt uns das, wenn der Blutdruck zu hoch ist oder der Diabetes einschränkt. Nein, so ausdrücken würden wir es nun gerade nicht. Aber wir benehmen uns so, wenn wir keine geistlichen Perspektiven für unseren Ort haben: weder kurz-, mittel- oder langfristig. Wir können  doch zumindest darum beten. Etwa: „Herr, zeige, wie wir als Gemeinde unsere Mitmenschen auf dich hinweisen können.“ Wenn diese Haltung in Ihrer Kirche keinen Zuspruch findet, dann können Sie in Ihrer persönlichen Stille darum bitten, offene Augen für die kleinen Gelegenheiten zu haben, wo Sie jemanden im Auftrag von Jesus ermutigen, trösten oder hilfreich zur Seite stehen können.

Chistoterik?

23. Januar 2012

Die Tage in der Gemeinde liefen wie geschmiert. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich über Esoterik sprach. Reiki, Wünschelrutengehen, Pendeln oder das Leben nach dem Mondkalender  sind nun mal keine christlichen Ausprägungen von Frömmigkeit. Um genau zu sein: Es handelt sich um pseudoreligiöse Wege, die leider nicht zur Erlösung führen, sondern in Bindungen hinein. Es ist schon erstaunlich, dass auch viele Christen darauf schwören, „weil es doch hilft“.
Meiner Meinung nach steht die Kraftlosigkeit christlichen Zeugnisses in einem Verhältnis zu diesem Trend mangelnder Eindeutigkeit. Ihr fehlt (oft aus Unwissenheit) das klare Nein zu allem Widergöttlichen. Und ihr fehlt die Vollmacht des Heiligen Geistes. Damit etablieren Christen die Kraftlosigkeit in ihrem Leben. Ihm fehlen die Ressourcen geistgewirkter Dynamik. Wundern wir uns noch, warum viele Menschen vom christlichen Glauben keine Antworten mehr erwarten?
Das Gebet für einen Mann zeigte mäßige Auswirkungen. Er wurde nur ein bisschen gesund. Als ich die Heilsteine an seinem Hals entdeckte, bot ich ihm an, sein Vertrauen ganz auf Jesus zu setzen. Er willigte ein – und erlebte eine ganze Heilung!
Wir müssen uns mit der Botschaft der Bibel nicht verstecken; denn  „ihr seid von Gott und habt jene überwunden; denn der in euch ist, ist größer als der, der in der Welt ist“ (1.Johannesbrief 4,4).

Setzen wir in unseren Gemeinden noch den Missionsauftrag um?

12. Januar 2012

Als sich die Eingangstür zum Gemeinschaftshaus hinter mir schloss, hatte ich den Eindruck, einen Zeitsprung vollzogen zu haben. Mindestens 30 Jahre zurück in die Vergangenheit. Eher mehr. Das Interieur war liebevoll und vor allem praktisch. Alles hatte seinen Platz. Aber es hatte die Ausstrahlung des längst Überkommenen. Auch bei den Liedern war man bei jener Epoche stehen geblieben, in der wohl das geistliche Leben pulsierte.
Ich fühlte mich in meine Zeit als Teenager versetzt. Da war alles so wie hier. Als ich mich innerlich klimatisiert hatte, hätten sich diese Eindrücke möglicherweise verloren; denn sie waren mit der starken Überalterung der Leute um mich herum stimmig. Aber ich hatte einen Bekannten mit dabei. Er sagte nur: „Das kenne ich alles. Aber ich habe es längst hinter mir gelassen.“
Ich ließ offen nachzufragen, was er genau damit meinte: Hatte er die Botschaft der Bibel hinter sich gelassen? Oder die Form, wie sie versucht wurde zu leben? In einem war ich mir fast sicher. Mit diesen im Alter vorgerückten Mitchristen würde es hier keine Modernisierung geben. Vielleicht aber eine geistliche Erneuerung, in deren Folge sich auch der Frömmigkeitsstil verändern würde? Vielleicht. Möglicherweise gibt es aber auch für Gemeinden eine Halbwertszeit. So dass sie irgendwann verschwinden und Neugründungen deren Auftrag übernehmen.

Von Gott reden

8. Dezember 2011

Es war für mich der GAU im Vortragsdienst. Um die Menschen bestmöglich zu erreichen, unterstütze ich meine Worte meist dadurch, dass ich Bibelworte oder Hauptgedanken mit dem Beamer an die Wand projeziere. Diese Technik kann geistliche Bevollmächtigung nicht ersetzen, aber sie nimmt sie auch nicht.
Bei einem meiner letzten Dienste hing mein betagtes Notebook. Es musste durch die Austaste gestoppt und neu hochgefahren werden. Ein langwieriges Unterfangen, wenn die Zeit bereits angezählt ist und die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden bereits auf den Vortrag gelenkt ist.
Bei einer Veranstaltung hing erst der Rechner, dann fiel gegen Ende auch noch kurz der Strom aus, so dass der Beamer überhitzte und nach einer Abkühlzeit verlangte. Ich nutzte die erste Verzögerung, um über persönliche Erfahrungen mit Gott zu berichten. Bei der zweiten konnte ich fortsetzen. Später meinten die Leute, dass diese ungeplanten Zwischenfälle kein Unfälle, sondern für sie ein Gewinn gewesen sei. Ich nahm es dankbar zu Kenntnis und dachte: Wie gut, wenn wir tatsächlich etwas zu sagen haben! Tipp: Schreiben Sie sich gelegentlich Erfahrungen mit Ihm auf. Egal, ob es sich um große oder kleine Dinge handelt. Erfahrene Zeichen seiner Gegenwart sind immer ein guter Gesprächsstoff.

Diene-Mut

25. November 2011

Als Reisender komme ich ständig in unterschiedliche Gemeinden. In der Regel habe ich eine Auswahl an Schriften und Medien unseres Verlags dabei. Dabei achte ich darauf, nicht in Konkurrenz zu den gemeindlichen Betreibern von Büchertischen zu kommen. Wenn ich sehe, dass sie bereits ausliegen haben, was ich ebenfalls zum Verkauf dabei habe, verzichte ich darauf, das Gleiche ebenfalls anzubieten und stecke es wieder weg.
Hin und wieder geschieht es, dass Frauen und Männer des gemeindlichen Büchertischs mir zur Seite stehen und die von mir mitgebrachten Produkte verkaufen, als seien es die Ihren. Das nenne ich Größe! Als ich eine Frau dafür lobte, zuckte sie verlegen die Schultern und meinte, dass das doch selbstverständlich sei. Ist es aber nicht. Liegt vielen Christen der eigene Kirchturm nicht viel näher? Achten wir nicht mit Argusaugen darauf, dass unsere eigene Denomination nicht zu kurz kommt? Der Diene-Mut jener Büchertischbetreiberinnen, denen ich in diesem Monat begegnet bin, lehrt uns Selbstlosigkeit. Ich habe ihnen Exemplare aus meinem Sortiment geschenkt, obwohl ich davon überzeugt bin, dass ihr wahrer Lohn einmal vom Herrn kommen wird.

Sollen wir bauen?

27. Oktober 2011

Gemeinden fällt es oft schwer bei der Frage „Sollen wir bauen?“ zu einem tragfähigen Ergebnis zu kommen. Zu weit gehen Vorstellungen über die Gestaltung auseinander. Zu groß sind verständlicherweise auch die Ängste vor der finanziellen Belastung.
In der Regel bewährt es sich, wenn eine Gemeinde einen bestimmten Betrag als Grundfinanzierung festlegt, den es durch Zusagen zu erreichen gilt. Kommt er zusammen, dann kann für den Rest geglaubt werden. Wenn diese Konditionen im Gebet so vor Gott gebracht werden, ist die Gemeinde insgesamt daran beteiligt, am gestreckten Ziel festzuhalten. Die dann noch offene Summe lässt „Raum für Gott“, wie Franklin Graham es in seiner Biografie so treffend ausdrückt.
Kürzlich begegnete ich einem Mann, der vor Jahren einen Versammlungsraum für die zu erwartende Erweckung baute. Ich hatte ihn damals gewarnt, denn erstens war er ein Einzelgänger und zweitens: Die Angelegenheit ruhte allein darauf, was Gott ihm angeblich gezeigt hatte. Da war nichts, was organisch gewachsen war. Es gab also keine Gruppe, die sich schon regelmäßig traf und räumlich beengt gewesen wäre. Heute hält der Mann immer noch trotzig an seiner Berufung fest (dass die Erweckung ausblieb, dafür sind andere schuldig) und die Banken an seiner Rente. Ihm bleibt nur noch ein Drittel zum Leben. Übermut ist kein gutes Fundament für einen Bau. Bei Übermut handelt es sich um die betrügerische Nachahmung von Glaubensmut.